Erlebnisbericht zum Treffen mit Steve Rajeff
dem Chief Roddesigner von G.Loomis auf der Erlebniswelt Fliegenfischen 2011 in Fürstenfeldbruck/Germany
Von Anbeginn meines Studiums des Werfens mit der Fliegenrute war ein Name immer präsent. Sei es in der Literatur der Federation of Flyfishers, in Berichten der Printmedien oder im allgegenwärtigen Internet in Form von Videodokumentationen: Steve Rajeff.

Der „Terminator“ des Castingsports der letzten vier Jahrzehnte war seitdem Vorbild und Messlatte, insbesondere durch sein stilistisches Merkmal, dem „Brickwall-Stop“ im Rückwurf. Von den Leistungen und Weiten fast unerreichbar, schien er mir in Interviews aber immer als sehr bodenständig und sehr freundlich.

Nie hätte ich vor 15 Jahren daran gedacht, Steve eines Tages näher kennen zu lernen!
Seit 2010 habe ich die Ehre, als „Casting-Coordinator“ der „EWF“, der Erlebniswelt Fliegenfischen, Europas renommierteste Fliegenfischermesse tätig zu sein. Diese Position umfasst nicht nur die Moderationen am Wurfpool und Übersetzung der englischsprachigen Demos, sondern auch die inhaltliche Koordination der Inhalte der Werfer weit im Vorfeld der EWF. So war es schon im Sommer 2010 klar, dass Steve Rajeff auf der EWF 2011 präsent sein wird und den ersten Mailkontakt hatte ich im Herbst desselben Jahres. Einem überaus netten Mailkontakt und die Abstimmung der Inhalte der Demo (Distance and Accuracy with Fishinggear) folgte die Idee, Steves Aufenthalt auf der EWF von Donnerstag, den 07.04. bis Montag, den 11.04.2011 durch zwei Workshops für insgesamt 10 Teilnehmer am Freitag und Instruktorenprüfungen der Federation of Flyfishers zu komplettieren. Begeistert von dem Vorschlag fand Steve es auch als überaus sinnvoll, wenn ich ihm als fachkundiger Übersetzer zur Seite stünde.
Das erste Treffen am Donnerstagabend war, als würde man sich schon lange gekannt haben. Ein „Bär“ von Mann mit großen, kräftigen Händen, stattlicher Erscheinung bot mir an, Platz zu nehmen und sofort waren wir in einem Gespräch über die kommenden gemeinsamen Tage. Einzig der Jetlag von Steve ließ uns den Abend ausnahmsweise etwas früher beenden, was in den kommenden Tagen nicht wieder stattfand! ;-D
Gleich am Freitagmorgen standen Instruktorenprüfungen für die F.F.F., der Federation of Flyfishers auf dem Plan, bei der 5 Castinginstruktoren und ein Masterinstruktor abgenommen werden sollten. Eröffnet wurden die Prüfungen durch eine gemeinsame Vorstellungsrunde und ein Workshop des potentiellen Masterkandidaten. Nachdem die Aufteilung der Prüflinge auf die Tester durchgeführt war, wurde von Steve als "Lead Examiner", Raffaele Mascaro als "2nd" und meiner Person als Zeugen eine Masterprüfung abgenommen, die erfolgreich bestanden wurde. Nach einer kleinen Mittagspause im Biergarten auf dem Gelände der EWF ging es weiter.
Für die Workshops und die Demos habe ich größtenteils meine Ruten meines Sponsors G.Loomis zur Verfügung gestellt und die Setups vorbereitet. Eingesetzt wurden eine 590 NRX, eine 690 GLX StreamDance, eine 8100 NRX, eine 990 CrossCurrent und eine 7110 GLX Switch mit passenden Schnüren von G.Loomis.

Und genau beim Antesten der von mir zusammengestellten Setups wurde ich ein einziges Mal unsicher: Er testete die 8100, warf mit überragender Sauberkeit und Leichtigkeit die Schnur ins Backing und dann gab Steve Rajeff, der 14-fache Castingweltmeister mir die Rute... Ich solle auch mal testen... Tief Luft geholt und 10 Sekunden später lag die Schnur sauber auf Distanz. Der Stein, der mir vom Herzen fiel, schlug hart auf dem bajuvarischen Boden auf. ;-)

An zwei Workshopterminen hatten je 5 Teilnehmer die Möglichkeit, sich von Steve korrigieren zu lassen. Meine Aufgabe war die des Dolmetschers, der für die Teilnehmer Steves Ausführungen ins Deutsche übersetzte. Insgesamt legte Steve großen Wert auf folgende Parameter des Wurfs: Loop, Stroke, Tempo, Trajectory. Er beurteilte jeden Werfer sehr neutral, ungeachtet seiner Stilistik und veränderte substantielle Parameter zum Besseren, so dass alle Teilnehmer deutliche Verbesserungen Ihres Wurfvermögens verzeichnen konnten. Die Workshops waren ein Erfolg! Viele der Teilnehmer nutzten auch die Möglichkeit verschiedene von G.Loomis Deutschland, vertreten durch Petra Krichel und Daniel Draheim, bereitgestellte Setups aus Rute/Rolle/Schnur zu testen. Insbesondere die neue NRX-Serie fand guten Anklang.
Ab Samstag begann der „Messealltag“ und die Demos von Steve waren der Knaller, bei der selbst mir, einem erfahrenen Werfer und Spektator unzähliger Demos, die Spucke wegblieb. Und es war nicht nur die Leichtigkeit, mit der er große Distanzen warf, sondern noch mehr die Präzision, mit der er das Zielwerfen auf verschiedene Ringe im Pond bei ca. 8, 12 und 16 Metern bestritt. Die Ziele wurden fast "weggenagelt" und als er dann anfing, die Ziele mit Shooting - Reachmends jedes Mal zu treffen, musste ich bei der Live-Übersetzung kurz innehalten und mich freuen, weil ich Zeuge einer wirklichen Meisterschaft werden durfte. Das war nicht "so ein bisschen Zielwerfen..."! Das war Meisterschaft auf höchstem Niveau. Nicht zuletzt warf Steve bei der Weltmeisterschaft 2010 in Norwegen, wo er die Disziplin "Accuracy" gewann, in einer eigenen Liga. Eine Klasse für sich.

Die Demos waren sehr gut besucht und viele Spektatoren konnten sich ein Bild machen von einem der besten Werfer, bzw. dem erfolgreichsten Werfer der Castinggeschichte des 20. Jahrhundert.

Folgend noch einige Bilder der Veranstaltung, die für sich selbst sprechen. Die Bilder stammen von den EWF-Fotografen Josef Stöger, Rudy van Duijnhoven und Markus Sies.

Mein herzlicher Dank gilt meinen Sponsoren Petra Krichel, Daniel Draheim und Raffaele Mascaro von G.Loomis, dank deren Einsatz dieses Treffen mit Steve ein einzigartiges Erlebnis für mich wurde.

Dortmund, Mai 2011
Jürgen Friesenhahn